„Bestimmt. Gut!“ so lautet das Motto des diesjährigen Jugendsonntag. In den Gottesdiensten können die Gottesdienstteilnehmer*innen sich mit verschieden Fragen auseinander setzten können wie z.B. Wozu bin ich bestimmt? Was soll ich tun? Wohin führt mein Weg? Was ist mein Auftrag in der Welt? Diese und viele ähnliche Fragen wird jeder und jede von uns schon durch den Kopf gegangen sein, und eine Antwort darauf gesucht haben. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sind auf der Suche nach ihrem persönlichen Weg. Im Evangelium am vergangenen  Sonntag ging es um die Talente, die ein Herr an seine Diener vergeben hatte. Diese handelten ganz unterschiedlich mit ihnen. Zwei von ihnen handelten mit ihnen, sodass sie noch mehr dazu gewannen. Der Dritte aber vergrub aus Angst sein Talent in der Erde. Auch wir sind mit den unterschiedlichsten Talenten ausgestattet für unser Leben. Und so ist auch heute der Auftrag im Evangelium uns für unsere Nächsten einzusetzen. Und hier kommt es nicht drauf an eine zweite Mutter Theresa zu sein oder Gandhi. Sondern das, was mir möglich ist einfach zu tun und ist es auch so klein. Das kann schon ein warmer aufmunternder Blick in den Augen sein, für die unbekannte Person auf dem Weg die mir begegnet.  

So wünsche ich uns, dass wir aufmerksam in unserem Alltag sind für diese kleinen Momente wo wir gefragt sind, aber auch die großen Fragen im Leben, um immer mehr oder neu zu merken wozu wir bestimmt sind zu tun.

 

Sr. Clara Dellbrügge


Who am I (Wer bin ich)

 

Ja, wer bin ich wirklich?

Diese Frage stellt sich wohl jeder mehrmals im Leben. Die erste große Suchphase ist in der Jugend, wenn man seine eigene Persönlichkeit entwickelt.

Aber auch als Erwachsene stelle ich mir diese Frage immer wieder.

Wer bin ich? Was macht mich aus? Wo liegen meine Talente, Fähigkeiten, Sehnsüchte?

Es schadet nicht, immer wieder eine Standortbestimmung des eigenen Lebens zu machen.

Bedenklich wird es erst, wenn man keine eindeutige Antwort mehr entdecken kann und sich die Gedanken nur noch im Kreis drehen.

Wenn ich mal diesen Blues bekomme, hilft mir das Lied „Who am I“ von Casting Crowns weiter (https://www.youtube.com/watch?v=NMyMJoRHcQI).

Es erinnert mich daran, dass es okay ist, ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und bei Weitem nicht perfekt zu sein. Aber es erinnert mich vor allem an etwas noch viel Wichtigeres: Dass ich IHM gehöre und mich ganz auf meinen Gott verlassen darf.

Gott weiß um mich und sieht mich an. Nicht aus Mitleid, sondern weil er mich liebt. Weil er jedes seiner Kinder liebt. Auch mich.

Im Refrain heißt es so schön:

„Not because of who I am,

But because of what You've done. 

Not because of what I've done,

But because of who You are.“                                               

„Nicht wegen dem, was ich bin,

Sondern wegen dem, was du getan hast.

Nicht wegen dem, was ich getan habe,

Sondern wegen dem, was du bist.“


Es ist egal, was alles nicht klappt oder wo ich mal wieder gefehlt habe. Gott ist größer.

Und in seiner Liebe löst sich meine Kleinheit auf.

Genauer gesagt gibt er mir so viel Würde und Ansehen, dass ich gar nicht klein, unwürdig oder nutzlos sein kann.

Jesus ist aus Liebe für mich auf diese Welt gekommen und sogar für mich gestorben. Das zeigt mit, wieviel ich in seinen Augen wert bin und dass er mich niemals im Stich lässt.

Wenn ich mir das in Erinnerung rufe, wächst eine unendliche Freude in mir.

Ich habe einen Wert, bin mit Gaben und Talenten gesegnet, die ich einbringen und so die Welt ein kleines Stück besser machen kann.

Ohne dass ich dafür Weltrekorde aufstellen muss, sondern allein dadurch, dass ich der Mensch bin, als den ER mich geschaffen hat.

So wie ich bin, bin ich genau richtig, weil Gott mich so gewollt hat.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Ich bin ein Meisterstück.

Und das gilt für jeden Menschen.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Gewissheit in sich tragen und dass Sie dieses ganz persönliche Gewollt-sein auch immer wieder erfahren und erleben dürfen.

 

Sr. Tobia Hartmann

 


Schon wieder so ein provozierendes Evangelium!

Jedes Mal, wenn ich es lese, denke ich, dass das ganz schön hart ist: da vergesse ich mal was und schon habe ich gar keine Chance mehr.

Manchmal bin ich dann versucht und überlege mir einen anderen, harmonischeren Schluss. Es wäre doch viel schöner, der Bräutigam und seine Diener

würden es sich noch einmal anders überlegen und die fünf zu spät gekommenen Jungfrauen in fröhlicher Weinlaune doch noch reinlassen. Mit so einem „Happy End“ könnte ich im Blick auf meine Gottesbild, das von einem barmherzigen und gütigen Gott ausgeht, viel besser leben.

Doch es ändert nichts, wenn ich mich nur vertröste – das „dicke Ende“ steht nun mal so da. Es sieht so aus, dass die Einen an alles gedacht haben, die Lage durchschauen, nicht teilen aber mit dem Bräutigam feiern gehen. Die Anderen waren recht kurzsichtig, haben mit keiner „Störung ihres Plans“ gerechnet, denen reicht ihr Vorrat nicht, sie müssen los und Nachschub besorgen und verpassen dabei die Chance mitzufeiern, die sich ihnen auch nicht mehr bietet.

Ich kann nicht glauben, dass es hier darum geht, dass Gott die Vergesslichen bestraft und die Klugen, Pfiffigen und Vorausschauenden belohnt und in seinem Reich feiern lässt. Was aber soll ich dann aus diesem Gleichnis Jesu rauslesen?

Wenn wir uns mit den Frauen im Gleichnis identifizieren, für was steht dann das Öl? Und zu welcher Gruppe gehöre ich?

 

Wenn ich das Öl mit der Verantwortung für mein Leben gleichsetze, dann wird mir klar, warum die nicht geteilt werden kann. Denn meine Überzeugungen, mein „Geworden-Sein“, meinen Charakter, meine Ziele und Träume, meine Werte kann ich nicht hergeben. Sie gehören einfach zu mir. Sie machen mich als Person aus und sie wirken in meine Beziehungen hinein. Sie sind zu einem großen Teil dafür verantwortlich, wie ich selbst lebe und wie ich auf andere Menschen wirke. Bin ich nun gar nicht begeistert und brenne ich nicht für etwas in meinem Leben, dann werden die Menschen merken, dass mein Öl zur Neige gegangen ist und mein Licht nicht mehr strahlen kann. Ein Leben auf Sparflamme zu führen, wird mich nicht glücklich, sondern eher unzufrieden machen. So will und kann niemand mit mir feiern – niemand wird mich hereinholen. Das gilt, wenn ich mir das recht überlege, übrigens genauso für mein geistliches Leben.

Wenn ich mein Christsein nur noch auf Sparflamme lebe, wenn ihm die lebendige Gottesbeziehung fehlt und das Gebetsleben irgendwie ausgebrannt ist, kann ich nicht erwarten, dass sich Jesus riesig freut, mit mir zu feiern. Ich hoffe allerdings, dass er es trotzdem tut, auch wenn mein Licht des Glaubens und meine Begeisterung für die tägliche Zeit mit ihm mal ein wenig in die Flaute geraten.

 

Was ich aber erkennen kann ist, dass Gott ernst genommen werden will. Er ist barmherzig und geduldig – ja! Und er schlägt uns sicher nicht die Tür vor der Nase zu, aber die Sorge um die Flamme - oder zumindest noch die Glut -, die wir in uns tragen und die von der Begeisterung für ihn erzählt, die tragen wir selbst.

Ich wünsche uns, dass wir gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit, in der wir auch wieder weniger Kontakte nach außen haben sollen, immer dann wenn wir ein Licht anzünden, mit jedem Streichholz, jedem Feuerzeug und jeder Kerze daran erinnert werden, welch großes Licht in uns leuchtet. Gott

selbst hat es uns geschenkt und wir dürfen es jeden Tag wieder neu entdecken, uns daran freuen und es hüten.

Vielleicht zünden wir ja diese Woche mal bewusst ein Licht an und wenn wir es ins Fenster stellen, kann es auch für Andere die Erinnerung an das wärmende und Hoffnung-bringende Licht Gottes in jedem von uns werden.

Sr. Franziska Bachmann


Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. (1 Joh, 3,2)

 

Je länger ich über diesen Vers aus der zweiten Lesung des kommenden Sonntags nachdenke, desto mehr höre ich aus ihm heraus.

Schon allein der erste kurze Satz verspricht uns viel: Wir sind Kinder Gottes. Und nicht nur das, wir sind sogar geliebte Kinder Gottes. Noch dazu sind wir es schon und müssen es nicht erst werden.

Wir müssen uns Gottes Liebe nicht erkämpfen, erbeten oder sonst wie erleisten. Es ist sein Geschenk an uns.

Und da er der liebende Vater ist, dürfen wir auch mit einem kindlichen Vertrauen davon ausgehen, dass er für uns da ist und für uns sorgt. Wir sind nicht allein, er geht all unsere Wege mit und verlässt uns nicht. Wie sich ein Kind beim Spielen in die Arme seines Vaters fallen lässt, so dürfen wir uns in seine Hände fallen lassen und uns darin bergen. Alles, was uns bewegt hat darin Platz.

Sich dieses kindliche Vertrauen zu bewahren oder vielleicht auch wieder neu zulassen zu können, ist eine Kunst. Es ist nicht jeden Tag gleich leicht – oft auch schwer – meine Sorgen nicht vor mir her zu schieben, sondern Gott hinzuhalten und dann auch mal gut sein zu lassen. Und es ist auch immer wieder ein erneutes Drandenken, dass Gott sich auch freut, wenn wir ihm von unseren Freuden und Erfolgen erzählen. Kurzum: die Offenheit, die aus einem tiefen Vertrauen geht ist eine Lebensherausforderung.

Aber eines ist sicher: da Gott uns, seine Kinder, liebt, wird er uns auch schwache Tage verzeihen und uns bedingungslos annehmen.

Und der zweite Teil des Verses entlastet mich zusätzlich. Es ist noch nicht offenbar, also für uns erkennbar, geworden, was wir sein werden. Aber auch hier dürfen wir uns auf Gott verlassen. Er hat einen Plan für uns. Einen Plan, der uns zum Leben in Fülle und zur Freude beruft. Und auch wenn es mir oft nicht klar ist, wohin es mich noch verschlagen wird oder was alles noch aus mir wird, steht ER mit seiner Fürsorge für mich bereit.

Die Frage ist nur: Kann und will ich mich auf dieses Vertrauen einlassen?

Ich wünsche es uns allen.

 

Sr. Tobia Hartmann


Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? (Mt 22,34-40)

 

Zum heutigen Sonntagsevangelium sind mir wir zwei Gedanken gekommen, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Der erste ist, wie gut Jesus mit dieser Fangfrage der Pharisäer umgeht.

Ich meine: wer kennt es nicht, dass in einer Diskussion hinterhältige Fragen gestellt werden, bei denen man sofort weiß, dass es dem Fragenden in erster Linie nicht um die Antwort geht, sondern vielmehr darum, den Gefragten in die Enge zu treiben oder ihm aus der Antwort einen Strick zu drehen.

Schon oft habe ich erlebt, dass eine solche Frage das ganze Gespräch sprengen kann, wenn der Gefragte patzig reagiert. Da finde ich Jesus‘ Reaktion schon deutlich cooler. Er bleibt höflich und gibt eine Antwort, die man ihm nicht im Mund umdrehen kann, da er damit aufzeigt, dass er das Gesetz und die Propheten kennt und danach lebt. So hat er eine Antwort gegeben, die nicht nur sehr diplomatisch ist, sondern auch noch inhaltlich überzeugt.

Das ist nämlich der zweite Gedanke, der mich bewegt.

Jesus fasst alle Gebote in der Liebe zusammen. In der Liebe zu Gott, seinem nächsten und sich selbst.

Dieses Dreieck (Gott – mein Nächster – ich) ist nicht immer leicht auszubalancieren. Oft genug stelle ich mir die Frage, wie ich meine Gottesbeziehung intensiv leben und für meine Mitmenschen da sein kann und mich selbst darin auch nicht vergesse. Da spüre ich immer wieder, dass Bewegung hilft, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. An einem Tag bin ich ganz für andere da, helfe bei dieser Sache und tue noch den Gefallen. Schon am nächsten Tag habe ich dann vielleicht Zeit, mich für eine Stunden in die Kapelle zu setzen und irgendwann kommt wieder ein Abend, an dem ich denke: jetzt ein guter Film oder ein warmes Bad ist genau das, was meiner Seele gut tut. Und wenn diese Tage ausgeglichen sind und sich nicht zu sehr in eine Richtung verlagern (z.B. dass ich nur noch für andere lebe), wird eine runde Sache daraus.

Wobei für mich auch bemerkenswert ist, dass Jesus die Liebe zu Gott ausführlich umschreibt. Man soll ihn mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Denken lieben. Das bedeutet für mich nicht, dass man seinen Nächsten und sich selbst vernachlässigen soll, sondern dass Gott unsere „Tankstelle“ der Liebe ist. Wenn ich ausgebrannt bin und einfach keine Liebe mehr weitergeben kann, darf ich bei ihm auftanken.

Stellen Sie sich einen trockenen Schwamm vor. Egal wie fest Sie drücken, es wird kein Wasser rauskommen. Wenn nun der Schwamm ins Wasser gelegt wird und er „auftanken“ kann, tropft die Flüssigkeit anschließend von selbst heraus. So stelle ich mir die Liebe Gottes vor und habe es auch schon so erleben dürfen: wenn ich wie der Schwamm vertrocknet bin, darf ich in der Liebe Gottes baden, meine Reserven auffüllen und sogar darüber hinaus. Und dann kann ich auch seine Liebe wieder weitergeben. Bleibe ich nun regelmäßig in Kontakt mit meiner „Tankstelle“, so kann mein Leben gelingen, ohne dass ich vertrockne oder der Balanceakt mich überfordert.

Die Liebe durchdringt dann alles.

Ich möchte Ihnen in diese Woche gerne ein Zitat von Augustinus mitgeben:

„Liebe und tu, was du willst.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete Tage!

 

Sr. Tobia Hartmann


Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…

 

Für Kinder ist die Welt groß, spannend und voller Überraschungen. Jeden Tag aufs Neue gibt es etwas zu entdecken und zu erkunden. Doch diese Offenheit und das Staunen gehen uns je älter wir werden nach und nach verloren. Umso interessanter wird es deshalb, sich wieder in dieses Alter zurück zu versetzen um wieder zu lernen von den Profis. Dies darf ich seit einer Woche machen an meiner Praxisstelle im Kindergarten. Natürlich komme ich dann mit dieser großen Offenheit, bei einem Spaziergang nicht so schnell voran wie gewohnt. Aber ist mir auf dem Weg zur Arbeit, oder anderen bekannten Wegen bewusst, was für Bäume oder Sträucher stehen? Kann ich Tiere entdecken? Was verändert sich von Zeit zu Zeit in den Gärten? Natürlich geht das nicht in jeder Lebenssituation, doch wenn wir versuchen immer wieder die „Kinderbrille“ anzuziehen, dann kommt das Staunen über die Schöpfung wie von selbst. Ich kann mir vorstellen, dass der Hl. Franziskus von Assisi dieses Staunen sein Leben lang bewahrt hat.

 

Sr. Clara Dellbrügge


Eine Einladung zu einer Hochzeit – cool!

Erst kürzlich durfte ich mal wieder eine Trauung miterleben. Für mich war das ein wirklich schönes Ereignis, auf das ich mich sehr gefreut habe. Und auch die Vorüberlegungen, was ich mitbringen und mit was ich eine echte Freude machen könnte, haben mir Spaß gemacht.

Im heutigen Evangelium ist aber von ganz anderen Gästen die Rede. Solchen, die scheinbar keine Zeit - vielmehr eher - keine Lust haben, zu kommen.

Die Brautleute und die Eltern haben sich viel Mühe gegeben ein schönes Fest auszurichten, haben Speisen und Getränke hergerichtet, den Saal geschmückt und alles liebevoll vorbereitet, doch keiner will mitfeiern. Das muss eine frustrierende Erfahrung sein.

Im Text greift der Gastgeber dann zu drastischen Mitteln: er flippt vor lauter Enttäuschung aus, rächt sich an den eingeladenen Gästen und lädt dafür andere ein. Eine Verzweiflungstat, weil er nicht will, dass alles umsonst gewesen sein soll.

Bei aller Irritation über diese Vorgehensweise, hätte es jetzt vielleicht doch noch ein schönes Fest werden können. Doch dann das: ein Gast ohne Hochzeitsgewand.

Ist doch klar – kommt mir da immer in den Sinn. Also da wird jemand von der Strasse geholt und unerwartet zu einer Hochzeit eingeladen, soll möglichst schnell kommen – ja – wo soll der sich jetzt auf die Schnelle aufhübschen?

Doch wenn ich das Evangelium lese, denke ich mir jedes Mal, dass es nicht darauf ankommt, dass derjenige Gast nicht „richtig“ angezogen ist, sondern dass er dem Gastgeber gegenüber keine Antwort hat, warum er so erscheint.

Warum sagt er nicht einfach: „Tut mir echt leid, ich hatte keine Zeit mich umzuziehen. Deine Leute haben mich direkt mitgenommen.“

Oder: „Sorry, aber ich habe gar keine so schönen Kleider, ich wäre gern anders gekommen, wenn ich könnte“.

Unser Gast im Gleichnis Jesu bleibt aber stumm. Er will kein Gespräch anfangen oder gar eine Beziehung zum Gastgeber aufbauen, er gibt nichts von sich Preis und signalisiert mit seinem Schweigen: „Lass mich bloß in Ruhe!“

Ein solcher Gast, der die Großzügigkeit, Mühe und Liebe des Gastgebers so brüsk ausschlägt, löst die gleiche Enttäuschung aus, wie die, die von vorn herein nicht kommen. Mit solchen Gästen kann der Gastgeber nichts anfangen – er schmeißt sie raus.

 

Wenn wir heute das Gleichnis übersetzen und im Bild des Königs Gott sehen, dann tut er für uns echt alles. Er bereitet vor, er sorgt, er lädt ein, er läuft uns hinterher; aber: uns überlegen, ob wir mit ihm was zu tun haben wollen und kommen müssen wir selber.

 

Sr. Franziska Bachmann


Bevor Sie den heutigen Impuls lesen, möchte ich Sie bitten, sich zuerst das Lied „Einmal im Leben“ von Wincent Weiss anzuhören (z.B.:  https://www.youtube.com/watch?v=Q-jrGktVq2I).

Vielleicht ist es nicht Ihr Musikgeschmack, aber der Text ist einfach super. Dieses Lied traf mich das erste Mal, als ich ins Auto gestiegen bin, das Radio ansprang und es tönte:

 

„Du machst die Welt doch so viel bunter

Mit all den Farben, die du hast

Und warum ziehst du dich so runter?

Es sieht so schön aus, wenn du lachst“

 

Sofort war ich ganz da, hatte ich doch einen nicht ganz leichten Tag hinter mir.

Nach dieser Stelle kam noch zweimal der Refrain:

„Dich gibt's nur einmal im Leben

Lass dir nichts anderes erzählen

Und egal welcher Zweifel dich auch quält

Was du daraus machst, ist das, was zählt

Dich gibt's nur einmal im Leben

Versuch dein Bestes zu geben

Und ich will, dass du eins niemals vergisst

Du bist perfekt, so wie du bist (wie du bist)“

 

Mit diesen Zeilen endete das Lied und es tat mir einfach nur gut. Dieser Zufall, dass genau der Song in dem Moment lief, als ich den Motor startete, kam mir zu zufällig vor. Es fühlte sich eher so an, als sollte mich diese Botschaft treffen – genau zu dem Zeitpunkt an diesem Ort.

 

Diese Erfahrung und Zusage möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

Wir sind alles geliebte Menschen, die Gott in seiner je eigenen Einzigartigkeit geschaffen hat. Er hat uns nach seinem Plan geschaffen und mit seinen Gedanken und Ideen für uns ausgestattet.

Das macht jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns perfekt.

Denn: Wir sind nach seinem Ebenbild geschaffen und Gott macht keinen Murks, davon bin ich überzeugt.

Wenn Sie also das nächste Mal an sich selbst zweifeln oder scheinbar einfach alles schief geht, hören Sie sich dieses Lied an. Hören Sie es so, als ob Gott diesen Text nur für Sie geschrieben hätte.

Mir hilft das, mich daran zu erinnern, dass er uns in Würde geformt und zu einem Leben in Fülle berufen hat.

 

Und ja, es gibt schwere Zeiten im Leben. Aber die Frage ist immer: Was mache ich daraus? Stecke ich den Kopf in den Sand und gebe auf oder bitte ich meinen Gott um Hilfe, atme tief durch und mache mir bewusst, dass ich mit IHM an meiner Seite nur gewinnen kann, auch wenn es anders kommt

als erwartet? Es ist okay zu zweifeln und sich auch mal einfach nur an eine „starke Schulter“ anlehnen zu wollen. Aber ich möchte Sie ermutigen genau in solchen Moment auf den Satz zu hören: „Du bist perfekt, so wie du bist.“

 

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese Zusage Gottes an uns Menschen immer tiefer in Ihr Herz einbrennen können und dadurch immer tiefer mit Ihm verbunden leben können!

 

Sr. Tobia Hartmann


Alles hat seine Zeit

„Ich könnte mich direkt an Urlaub gewöhnen“, sagte ich frisch aus dem Urlaub kommend im Spaß zu meiner Mitschwester. Sie schmunzelte und meinte, „ach weißt du, dann könntest du es auch irgendwann nicht mehr genießen“.

Zack, da war er wieder: der Gedanke, der mich seit einiger Zeit herumtreibt und fasziniert: Eigentlich sind es doch gerade die Gegensätze, genauer gesagt das Zusammenspiel der Gegensätze, die das Leben bunt, interessant und abwechslungsreich machen. Was wäre, wenn wir nur Urlaub hätten, es nur Tag wäre oder nur Nacht, nur Sonne oder nur Regen gäbe, wenn wir nur in Bewegung wären usw.

 

Ich merke, ich brauche die gegensätzlichen Erfahrungen, sie helfen mir, mich auf etwas zu freuen, eben weil ich es nicht immer habe. Manchmal macht es mich auch einfach dankbar und hilft mir solidarisch zu leben, z.B. auch wenn ich mal krank bin, kaum Kraft habe, dann hilft es mir, in den gesunden, kraftvollen Zeiten mich besser in Menschen hinein zu versetzten, die eben diese Kraft nicht oder nicht mehr haben.

 

Es geht mir nicht darum, mich auf dem Mittelweg zu bewegen, das wäre auf Dauer, glaube ich, echt langweilig. Nein, ich will an diesen Gegensätzen lernen zu zulassen, zu vertrauen, los zu lassen, dankbar für den Moment und das Gute zu sein, den Augenblick wert zu schätzen.

Alles zu seiner Zeit …

 

Hier gefällt mir die Bibelstelle Kohelet 3 (gekürzte Version):

 

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:

eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben.

Eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen.

Eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen.

Eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden ...

 

Das alles hat ER schön gemacht zu seiner Zeit.

 

  Sr. Jakoba Gäbler


Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.

 

Vielleicht geht es jetzt Manchen jetzt wie mir, dass wir schnell den alten, gleichnamigen Kanon im Ohr haben und ihn nicht mehr loswerden. Aber was heißt es, wenn Jesus sagt, er ist mitten unter uns?

 

Was bedeutet Miteinander und Gemeinschaft überhaupt?

 

Immer wieder merke ich, dass es mir gut tut, wenn so etwas wie Gemeinschaft spürbar wird. Das ist oft in den kleinen Dinge des Alltags erlebbar: eine spontane Einladung auf eine Tasse Kaffee; eine kurze Pause mit Menschen, die mit mir in einer anstrengenden Arbeit stecken; ein Lächeln auf dem Flur im Vorbeigehen, eine Einladung zu einem Spaziergang oder die Erkundigung: „Wie geht es dir heute?“

Gemeinschaft zeigt sich für mich ganz oft in solchen kleinen Momenten des Alltags, die von einem ehrlichen Interesse und einer Verbundenheit zeugen. Es sind einfach schöne Momente, die das Leben lebens- und liebenswert machen.

 

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott tatsächlich in diesen Momenten mitten unter uns ist, wenn wir uns wohlfühlen, wir uns Gutes erweisen, wir ungezwungen füreinander da sind, uns zuhören und mit ehrlichem Interesse ein Stück Leben und Lebenszeit  miteinander teilen.

Gott liebt uns so sehr, dass er uns wünscht, dass wir „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Wenn wir uns diese Liebe weiterschenken und einander in Vertrauen, Ehrlichkeit und Freude begegnen, dann können wir Gott mitten unter uns begegnen und solche Momente können zum Segen für jeden einzelnen Tag werden.

Wir sind dann sogar fähig, uns etwas zu sagen, was uns im Miteinander schwer fällt oder wo wir die Verhaltensweise des / der Anderen nicht verstehen oder für falsch halten.

Solange der Wunsch nach Gemeinschaft dabei tragend und lebendig ist und dieser von Vertrauen, Ehrlichkeit und Freude geprägt ist, habe ich erlebt, dass wir auch mit der eigenen Rückfrage auf offene Ohren stoßen können. Dies ist allerdings nicht der Fall, wenn es nur um Machtfragen geht und dem Streiten um das Thema, wer letztlich Recht hat. Hiermit verbannen wir Gott aus unserer Mitte.

 

Die Grundvoraussetzungen für Segensmomente, in denen Gott mitten unter uns ist, sind also: Freiwilligkeit und der Wunsch nach aufrichtiger Gemeinschaft.

Doch selbst, wenn uns das nicht immer gelingt und wir Gott durch das Kreisen um eigene Interessen aus unserer Mitte ausschließen, bleibt ER doch immer in der Gemeinschaft mit uns, denn ER ist ein „Gemeinschaftswesen“ – ER ist Gemeinschaft – wäre ER sonst Vater, Sohn und Geist?

 

 

Wie schön wäre es doch, wir würden uns mit hineinnehmen lassen in die „Vierfaltigkeit“ des Liebens!

 

Sr. Franziska Bachmann


Lobet und preiset den Herrn in Dankbarkeit…

 

Vor nun einer Woche kam ich zurück von der Klosterwoche in Gschnon in Südtirol. Zusammen mit 10 jungen Erwachsenen und einem Mitbruder von den Kapuzinern erlebten wir eine besondere Woche auf fast 1000 Höhe in einem kleinen rustikalen Klösterchen.

Immer wieder ist mir dort der Sonnengesang des Heiligen Franziskus durch den Kopf gegangen.

Sei es bei einem atemberaubenden Ausblick auf imposante Berge die vielen Apfelplantagen und Weinberge, aber auch direkt im Klostergarten auf das angepflanzte Gemüse und die Blumen.  

Herr, sei gelobt durch Mutter Erde, die uns ernährt,

erhält und Früchte trägt.

Die auch geschmückt durch Blumen und Gesträuch.

Oder nach schweißtreibender Arbeit die Arme am Gartenschlauch mit kühlen Wasser abzuspritzen oder das erfrischende Quellwasser bei einer Wanderung.

                Herr, sei gelobt durch Schwester Wasser, sie ist gar nützlich demutsvoll und keusch.

                Sie löscht den Durst, wenn wir ermüdet sind.

Aber auch der faszinierenden Sternhimmel mit seinen unzähligen Sternen, die sichtbar waren durch die weite Entfernung der Straßenlaternen.

                Herr, sei gelobt durch Schwester Mond und durch die Sterne, die du gebildet hast.

                Sie sind so hell, so kostbar und so schön.

Oder das Feuer im Holzofen, das für ein leckeres Essen gesorgt hat, oder die Wärme am letzten Abend beim Lagerfeuer.

Herr, sei gelobt, durch Bruder Feuer, der uns erleuchtet die Dunkelheit und Nacht.

Er ist so schön, gar kraftvoll und auch stark.

Höchster allmächtiger und guter Herr, dein sind der Lobpreis die Herrlichkeit und Ehr.

  

 

Text: Sonnengesang: Franz von Assisi. Übertragung: Johannes Lehrner. 


Du aber, für wen hältst du mich?

 

Vor einem Jahr hat ein ehemaliger Nachhilfeschüler von mir seinen Realschulabschluss gemacht.

Ich war ziemlich überrascht, als das Telefon klingelte und er dran war, immerhin lagen unsere Lernzeiten schon einige Jahre zurück und seit ich ins Kloster ging habe ich auch weder ihn noch sonst jemanden aus seiner Familie gesehen.

Er hatte im Fach Religion die Aufgabe, eine Person zu ihrem Glauben zu interviewen und das in einem Aufsatz zusammenzuschreiben und wollte dafür gerne mit mir sprechen. Da ich die Idee irgendwie cool und seinen Anruf bei mir auch mutig fand, haben wir gleich los gelegt und die Fragerunde gestartet.

 

Vielleicht wundern Sie sich gerade, warum ich das alles erzähle.

Der Grund ist, dass eine Frage von ihm sehr gut auf unser heutiges Evangelium passt:

Hältst du Jesus für einen Superstar? Also kann man ihn mit den Stars von heute (Sänger*innen, Fußballgötter, YouTuber,…) vergleichen?

Für mich kratzt diese Frage an dem, was auch Jesus im Evangelium seine Jünger fragt:

„Für wen halten mich die Menschen? Und noch viel wichtiger: Für wen haltet ihr mich?“

Für mich hinkt der Vergleich meines ehemaligen Nachhilfeschülers etwas. Jesus ist mehr als ein Superstar. Denn selbst wenn deren Ruhm über Jahre hinweg dauert, so vergehen sie und ihre Taten irgendwann. Jemand anderes verkauft mehr Platten, schießt mehr Tore, verdient mehr Geld oder bekommt mehr Likes.

Das kann Jesus nicht passieren. Er und seine Botschaft sind ewig.

Für mich ist er der Sohn Gottes, ein Teil der Dreifaltigkeit, der uns so sehr liebt, dass er extra auf die Erde kam in ein Leben und ein Umfeld, das auch wir verstehen können.

Wie viele Stars begeben sich auf das Level ihrer „Normalo-Fans“? So viel Größe kann sich nur der Größte leisten. Und diese Tat vergeht nicht.

 

Wenn ich ehrlich bin, kann ich die Frage, für wen ich Jesus halte, nicht so einfach komplett und abschließend beantworten, da er so vieles ist: Wegbegleiter, Licht in der Nacht, Meister,  Kumpel, Vorbild, Erlöser, …

Nur bei einem bin ich mir zu 100% sicher: Er ist mehr, als ich mir jemals vorstellen kann.

Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal mit dieser Frage beschäftigt oder sind jetzt neu angetriggert, sich darüber Gedanken zu machen.

Dabei wünsche ich Ihnen gute Gedanken und ein intensives Spüren wenn Jesus Sie fragt:

 

„Und du, für wen hältst du mich?“

 

 

Sr. Tobia Hartmann


Mut tut gut

Ich würde mich jetzt nicht unbedingt als große Verehrerin von Heiligen bezeichnen, aber manche beeindrucken mich wirklich. Durch das, wie sie gelebt haben, berühren sie mich und bringen mich zum Nachdenken.

Dazu gehören auch die Heiligen der letzten Woche, wie z.B. der Diakon Laurentius, welcher als Verwalter des Kirchengeldes alles den Armen verschenkte, als der Kaiser die Kirchenschätze für sich beanspruchte. Laurentius stellte diesem dafür die Bedürftigen mit den Worten vor: "das sind die wahren Schätze der Kirche". Der Kaiser fand das nicht so lustig und ließ ihn foltern, indem er ihn auf einen Rost grillte, worauf Laurentius ihm nach einer Weile sagte, dass er ihn umdrehen könne, er sei auf der einen Seite schon genug gebraten.

Auch eine Heilige Klara von Assisi, die sich unter heftigsten Auseinandersetzungen von ihrer Familie losgelöst hat um ein Leben der Nachfolge Jesu zu leben und auch nicht davor zurückschreckte mit dem Papst zu Streiten, als Frauengemeinschaft arm leben zu dürfen („Privileg der Armut“) - ein Ding der Unmöglichkeit zu diesen Zeiten.

Und dann der Franziskaner Maximilian Kolbe, der sich nicht scheute, sich gegen das Naziregime zu stellen, daraufhin in Auschwitz interniert wurde und für einen Familienvater in den Hungerbunker ging und dort auch starb.

Mich berührt der Mut allein dieser drei Heiligen oder vielleicht muss ich eher sagen dieses Vertrauen in ein „Mehr“ – für andere, für Gott, für etwas, das ihnen wichtig ist einzustehen und ich frage mich: wofür würde ich einstehen, was ist mir so wichtig, dass ich bereit wäre aus dem allgemeinen Sozialleben ausgeschlossen zu werden, meine Gesundheit dafür zu riskieren, ja vielleicht sogar mein Leben. Und wahrscheinlich muss ich nicht mal so weit gehen, denn mehr oder weniger sind auch wir damit im „Kleinen“ schon in unserem Alltag konfrontiert: im Beruf, der Ausbildung, dem Studium, dem Sportverein, der Familie … kann es darum gehen sich zu positionieren und für jemanden oder etwas einzustehen, wie z.B. Menschen, die ausgeschlossen werden, Meinungen, die nicht unbedingt von der Masse vertreten werden, seinen Glauben, … auch für sich selbst.

Mir tut es da gut, diese Vorbilder zu haben, die mit Mut und Vertrauen zu dem gestanden sind, was ihnen wichtig war. Ihr Mut, tut auch mir heute – teilweise 1800 Jahre  später – gut.

Mit ihrem Leben fragen sie mich an:

  • was ist mir wirklich wichtig,
  • was sind meine Werte
  • wie will ich leben und
  • was bin ich bereit dafür zu geben?

Und gleichzeitig zeigen sie mir ein Vertrauen auf, das alle weltlichen Grenzen überschreitet: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi. (Röm 8, 38-39)

 

Ich wünsche Ihnen Mitmenschen, die  Sie mit ihrem Leben auf eine gute Art und Weise herausfordern und den Mut, selbst zu so einem zu werden.

                                         

Sr. Jakoba Gäbler


„Du kannst über’s Wasser geh’n und die Hand ergreifen, die sich dir entgegenstreckt.“

 

Diese Liedzeile ist mir sofort durch den Kopf geschossen, als ich das Evangelium zu diesem Sonntag gelesen habe (Mt 14,22-33).

Es beeindruckt mich einfach immer wieder aufs Neue, dass mit Jesu Hilfe nichts unmöglich ist. Sogar auf dem Wasser laufen funktioniert mit ihm.

Petrus bekommt erst Schwierigkeiten, als er sich fürchtet; sprich: sein Vertrauen schwindet.

Und das ist doch eine zutiefst menschliche Erfahrung, die sicher jede und jeder von uns schon einmal gemacht hat: da bemerke ich, dass mir eine Sache gefährlich wird, ich nicht mehr Herr der Lage bin oder es einfach eine Nummer zu groß für mich ist. Ich spüre, dass ich mir nicht mehr selbst helfen, mich nicht selbst retten kann. Aber auch dann zögert Jesus nicht. Kaum ruft sein Jünger nach ihm, streckt er seine Hand aus und rettet ihn.

Diese Schriftstelle ist für mich Anleitung und Ermutigung zugleich. Sie zeigt mir, dass Jesus für mich da ist und mir in jeder (Not-)Lage hilft.

Ist das nicht auch sehr befreiend? Weil der Herr bei mir ist, muss ich nicht alles alleine machen. Ich darf mich darauf verlassen, dass ER mir die Hand entgegenstreckt. Und mit dem nötigen Vertrauen geht es weiter – mit IHM an meiner Seite, so wie Petrus sicher mit ihm zum Boot gelangte.

 

Egal ob Ihr Leben gerade in ruhigen Bahnen verläuft oder durch aufgebrachte Wellen wogt, wünsche ich Ihnen, dass Sie die ausgestreckte Hand unseres Gottes wahrnehmen und ergreifen können.

Ergreifen sie die Hand, die sich Ihnen entgegenstreckt, es lohnt sich.

 

Sr. Tobia Hartmann 


Maria Magdalena

Am vergangenen Mittwoch (22.Juli) haben wir das Fest der hl. Maria Magdalena gefeiert, dabei bin ich zufällig auf einen Text gestoßen, den ich im April 2016 zu Maria Magdalena in meinem Exerzitienbüchlein aufgeschrieben habe.

„Maria Magdalena am leeren Grab:

Nacht, Nacht der Erinnerung

Es war einmal – und jetzt

Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit

Aufbruch zurück, wehmütig

Schmerzende Erinnerung

Entsetzen – alles ist anders

als erwartet – Nichts ist…

Die Nacht weicht dem

strahlenden Aufgang des Tages

Hoffnung – Ahnung – Erinnerung

Aufbruch zum Auftrag

Verkündigung!“

 

Ich habe gedacht, das passt ganz gut in die momentane Zeit. Ostern ist bereits viele Wochen her und manchmal braucht es eine Erinnerung, um dann selbst wieder neu gestärkt den eigenen Aufbruch zum eigenen Auftrag zu wagen und die Botschaft vom Himmelreich in unsere Welt zu tragen, wie es ja in den letzten Sonntagsevangelien und auch an diesem Sonntag wieder Thema war und ist.

Mit dem Himmelreich ist es…

 

Sr. M. Johanna Gräter


So wie am letzten Sonntag, so geht es auch an diesem wieder um den Samen und die Arbeit auf dem Feld.

Hier in Reute müssen wir nicht weit gehen, um zu beobachten was so alles in einem Jahr auf einem Feld alles passiert. Auch unter uns Schwestern gibt so manche Hobbygärtnerinnen, die im Frühjahr anfangen die Pflänzchen zu ziehen für so manches Gemüse. Wenn dann so das erste zarte Grün zum Vorschein kommt, ist dann auch hin und wieder die Frage, ist das jetzt schon zum Beispiel das ersehnte Tomatenpflänzchen, oder doch was anderes, was sich da hineingemogelt hat in die Erde? Mit der Zeit wird es dann zum Glück ersichtlich, ob es das erwünschte Gewächs oder ein Beikraut ist.

Mich fasziniert jedes Jahr aufs Neue, wie in so einem kleinen Samenkorn alles angelegt ist, sei es die Form, Farbe oder der Geschmack.

Wenn Sie also das nächste Mal an einem Feld vorbei kommen, dann laufen Sie nicht vorbei, sondern bleiben Sie stehen, und lassen es auf sich wirken mit allen Pflanzen die auf ihm wachsen. Und vielleicht kommt dann auch das Staunen über die Schöpfung in Ihnen neu zum Vorschein.

 

Sr. Clara Dellbrügge

 


 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

 

 

Ganz häufig werde ich gefragt: „Warum tut denn Gott da nichts?“ „Warum schweigt er?“ „Wo ist er denn?“

 

Diese Frage beschäftigt auch mich, wenn ich an die verschiedenen Krisen und Problemthemen dieser Welt und Kirche denke. Nicht selten muss ich zugeben, dass ich keine Antwort habe.  Gleichzeitig, wenn ich mir erlaube einen Moment inne zu halten, wird mir doch immer wieder deutlich, dass nicht alles in dieser Welt, in dieser Kirche, in meinem Leben nur schlecht ist. Es gibt doch immer wieder kleine Hoffnungszeichen und Glücksmomente, die mir zeigen, dass es weitergeht, dass es besser werden kann, dass ich nicht alleine bin. Allerdings muss ich sie wahrnehmen; sie sehen.

 

Jesus redet auch im morgigen Evangelium in Gleichnissen! Wie sehr würde ich mir wünschen ER würde mal Klartext reden; als sichtbares Gegenüber auf Augenhöhe; deutlich und klar vernehmbar. Da wäre vielleicht manches einfacher – oder eben auch nicht. Aber ich könnte zumindest nachfragen und hätte klare „Anweisungen“, wie ein gutes Leben gelingen kann.

Doch er spricht in Gleichnissen: offen und doch verborgen; klar und doch undurchdringlich oder interpretationsbedürftig.

 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

Wenn ich den Vers aus dem Evangelium richtig deute, kommt es jetzt auf meine Augen und Ohren an, was ich daraus für mich mitnehmen kann: kann ich sehen und hören und verstehen – oder nicht?

Nehme ich nur das undeutliche, nicht fassbare, vielleicht sogar verletzende wahr oder auch den Sinn, die Gegenwart hinter dem Vordergründigen.

Ist der Regen – selbst, wenn er mir meinen Ausflug unmöglich macht – nicht ein Segen für unsere Wälder, Felder und Gärten? Ist der Stein, der mir in den Weg gelegt wird, nicht genau der, den ich gerade brauche, um in dieser Situation zu wachsen und zu reifen? Ist das ausbleibende aber von mir erwartete Lächeln eines Mitmenschen, dem es vielleicht nicht so gut geht der Grund selbst traurig zu werden oder könnte es nicht auch der Anfang eines guten Gespräches sein, aus dem möglicherweise beide erfüllter herausgehen?

 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

Vielleicht können wir diesen Vers des Evangeliums so übersetzen:

 

Deshalb wirke ich für viele so verborgen, weil sie mir begegnen, mich aber nicht erkennen, weil ich zu ihnen rufe, sie mich aber im Lärm des eigenen Lebens nicht heraushören.

 

Seinen Jüngern – also allen, die ihm folgen wollen - sagt Jesus allerdings:

Eure Augen aber sind selig,
weil sie sehen,
und eure Ohren, weil sie hören.

 

Diese Zusage gibt uns Jesus und diese Fähigkeit spricht er uns zu.

Ich wünsche mir, dass es mir / dass es uns immer besser gelingt und dass wir gemeinsam Sehende und Hörende werden und bleiben.

Sr. Franziska Bachmann


Alle sind eingeladen …

Jeweils am Montag – zu Beginn der Woche – nehmen wir Schwestern im Konvent Ulm-Wengen uns gemeinsam Zeit und befassen uns mit dem Evangelium des kommenden Sonntags. Wir lesen den Text, vertiefen in der Stille nochmals die Worte und tauschen uns dann darüber aus, was wir in die Woche hinein mitnehmen möchten, was uns angesprochen oder herausgefordert hat.

Am Sonntag hieß es im Matthäusevangelium: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Diese Einladung Jesu hat mich in den zurückliegenden Tagen begleitet. Sie ist einfach, direkt und gradlinig und mit einer Verheißung verbunden. Ich darf kommen – so wie ich bin.

Ich muss nichts bestimmtes geleistet oder großes vollbracht haben. Gott lädt mich ein, nicht nur wenn alles glatt läuft und mir leicht von der Hand geht, wenn ich voller Energie und Tatendrang bin. Er lädt mich müde und mit all dem, was mich beschäftigt ein, zu ihm zu kommen.

Und: Er sortiert nicht aus und stellt keine Bedingungen: ALLE sind eingeladen!

Allen verspricht Jesus: Bei mir könnt ihr Kraft holen, auftanken. Ich gebe euch Zuversicht und neuen Mut!

Nehmen wir diese Einladung an, sie gilt jedem und jeder von uns!

Elisa Kreutzer


Mein persönliches Fotoalbum

 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele Bilder wir Tag für Tag zu Gesicht bekommen?

Mir sind in letzter Zeit die vielen Gemälde in unserem Kloster aufgefallen, dazu persönliche Fotos an der Zimmerwand, an Unterführungen die Bilder verschiedener Graffitikünstler…

Dazu kommen – zumindest bei mir – viele Fotos auf der Festplatte und immer wieder neue, die ich selbst aufnehme oder die mir über die verschiedensten Kanäle zugeschickt werden.

Passenderweise kam mir ein Lied in den Sinn, in dem der Sänger Bilder in seinem Kopf bewahrt.

Damit meint er nicht die pure Menge an Dingen, die er gesehen hat, sondern solche Momente und Personen, die wirklich sein Inneres berührt haben.

Auch in mir steigt die Frage auf, welche Bilder ich in meinem Kopf oder Herzen bewahre.

Es sind Personen, die mich auf wichtigen Etappen meines Lebens begleitet haben, Erfahrungen, die mich zu der gemacht haben, die ich heute bin, Erlebnisse, die ich nie mehr vergessen möchte, …

Alles Momente und Situationen in denen das Leben auf die eine oder andere Weise pulsierte. Zeiten in denen Gott spürbar wurde oder in Menschen und Gesprächen sichtbar war.

Ich möchte Sie einladen auch einmal nachzuspüren, welche Bilder in ihrem Kopf zu Hause sind und ihr „geistiges Fotoalbum“ anzuschauen, neu anzulegen oder weiter zu gestalten.

Einen gesegneten Tag und viel Lebensfreude wünsche ich Ihnen!

 

Sr. Tobia Hartmann


Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.  (Mt 10,30)

 

Als ich diesen Satz im heutigen Sonntagsevangelium gelesen habe, kam mir ein spontanes Lächeln auf die Lippen.

Grund dazu gab mir die Erinnerung an eine – aus damaliger Sicht – sehr langweilige Schulstunde, als ich genau das probiert habe: Die einzelnen Haare meines langen Ponys zu zählen.

Natürlich bin ich damals grandios gescheitert, aber der Versuch ist mir in Erinnerung geblieben. Es erinnert mich daran, dass es Dinge gibt, die ich allein einfach nicht schaffen kann, egal wieviel Zeit und Mühe ich hineinstecke. Sicher kennen auch Sie solche Momente, in denen Sie nicht weiter kommen.

Aber ist es nicht gerade in solchen Momenten wunderbar zu wissen, dass wir nicht alleine sind und für unseren Gott nichts unmöglich ist?

Wir sind ihm wichtig, auch das steht im heutigen Evangelium. Genau genommen steht darin, dass der Herr sich um jeden Spatzen kümmert, wir aber noch viel mehr wert sind als viele dieser Vögel.

Wenn ich mir diese zwei Tatsachen – dass für ihn nichts unmöglich ist und dass er uns nicht im Stich lässt – durch den Kopf gehen lasse, fühle ich mich innerlich befreit. Ich merke, dass ich nicht alles können MUSS. Ich darf sein, wie ich bin, weil ER mich so gedacht und geschaffen hat.

Und auch dieser Gedanke zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder spüren können, dass Gott uns nicht allein lässt und selbst aus den verzwicktesten Situationen führen kann –

vielleicht lächeln Sie dann mit mir.

 

Sr. Tobia Hartmann

 


Franziskanerinnen von Reute

Klostergasse 6

88339 Bad Waldsee