„Du kannst über’s Wasser geh’n und die Hand ergreifen, die sich dir entgegenstreckt.“

 

Diese Liedzeile ist mir sofort durch den Kopf geschossen, als ich das Evangelium zu diesem Sonntag gelesen habe (Mt 14,22-33).

Es beeindruckt mich einfach immer wieder aufs Neue, dass mit Jesu Hilfe nichts unmöglich ist. Sogar auf dem Wasser laufen funktioniert mit ihm.

Petrus bekommt erst Schwierigkeiten, als er sich fürchtet; sprich: sein Vertrauen schwindet.

Und das ist doch eine zutiefst menschliche Erfahrung, die sicher jede und jeder von uns schon einmal gemacht hat: da bemerke ich, dass mir eine Sache gefährlich wird, ich nicht mehr Herr der Lage bin oder es einfach eine Nummer zu groß für mich ist. Ich spüre, dass ich mir nicht mehr selbst helfen, mich nicht selbst retten kann. Aber auch dann zögert Jesus nicht. Kaum ruft sein Jünger nach ihm, streckt er seine Hand aus und rettet ihn.

Diese Schriftstelle ist für mich Anleitung und Ermutigung zugleich. Sie zeigt mir, dass Jesus für mich da ist und mir in jeder (Not-)Lage hilft.

Ist das nicht auch sehr befreiend? Weil der Herr bei mir ist, muss ich nicht alles alleine machen. Ich darf mich darauf verlassen, dass ER mir die Hand entgegenstreckt. Und mit dem nötigen Vertrauen geht es weiter – mit IHM an meiner Seite, so wie Petrus sicher mit ihm zum Boot gelangte.

 

Egal ob Ihr Leben gerade in ruhigen Bahnen verläuft oder durch aufgebrachte Wellen wogt, wünsche ich Ihnen, dass Sie die ausgestreckte Hand unseres Gottes wahrnehmen und ergreifen können.

Ergreifen sie die Hand, die sich Ihnen entgegenstreckt, es lohnt sich.

 

Sr. Tobia Hartmann 


Maria Magdalena

Am vergangenen Mittwoch (22.Juli) haben wir das Fest der hl. Maria Magdalena gefeiert, dabei bin ich zufällig auf einen Text gestoßen, den ich im April 2016 zu Maria Magdalena in meinem Exerzitienbüchlein aufgeschrieben habe.

„Maria Magdalena am leeren Grab:

Nacht, Nacht der Erinnerung

Es war einmal – und jetzt

Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit

Aufbruch zurück, wehmütig

Schmerzende Erinnerung

Entsetzen – alles ist anders

als erwartet – Nichts ist…

Die Nacht weicht dem

strahlenden Aufgang des Tages

Hoffnung – Ahnung – Erinnerung

Aufbruch zum Auftrag

Verkündigung!“

 

Ich habe gedacht, das passt ganz gut in die momentane Zeit. Ostern ist bereits viele Wochen her und manchmal braucht es eine Erinnerung, um dann selbst wieder neu gestärkt den eigenen Aufbruch zum eigenen Auftrag zu wagen und die Botschaft vom Himmelreich in unsere Welt zu tragen, wie es ja in den letzten Sonntagsevangelien und auch an diesem Sonntag wieder Thema war und ist.

Mit dem Himmelreich ist es…

 

Sr. M. Johanna Gräter


So wie am letzten Sonntag, so geht es auch an diesem wieder um den Samen und die Arbeit auf dem Feld.

Hier in Reute müssen wir nicht weit gehen, um zu beobachten was so alles in einem Jahr auf einem Feld alles passiert. Auch unter uns Schwestern gibt so manche Hobbygärtnerinnen, die im Frühjahr anfangen die Pflänzchen zu ziehen für so manches Gemüse. Wenn dann so das erste zarte Grün zum Vorschein kommt, ist dann auch hin und wieder die Frage, ist das jetzt schon zum Beispiel das ersehnte Tomatenpflänzchen, oder doch was anderes, was sich da hineingemogelt hat in die Erde? Mit der Zeit wird es dann zum Glück ersichtlich, ob es das erwünschte Gewächs oder ein Beikraut ist.

Mich fasziniert jedes Jahr aufs Neue, wie in so einem kleinen Samenkorn alles angelegt ist, sei es die Form, Farbe oder der Geschmack.

Wenn Sie also das nächste Mal an einem Feld vorbei kommen, dann laufen Sie nicht vorbei, sondern bleiben Sie stehen, und lassen es auf sich wirken mit allen Pflanzen die auf ihm wachsen. Und vielleicht kommt dann auch das Staunen über die Schöpfung in Ihnen neu zum Vorschein.

 

Sr. Clara Dellbrügge

 


 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

 

 

Ganz häufig werde ich gefragt: „Warum tut denn Gott da nichts?“ „Warum schweigt er?“ „Wo ist er denn?“

 

Diese Frage beschäftigt auch mich, wenn ich an die verschiedenen Krisen und Problemthemen dieser Welt und Kirche denke. Nicht selten muss ich zugeben, dass ich keine Antwort habe.  Gleichzeitig, wenn ich mir erlaube einen Moment inne zu halten, wird mir doch immer wieder deutlich, dass nicht alles in dieser Welt, in dieser Kirche, in meinem Leben nur schlecht ist. Es gibt doch immer wieder kleine Hoffnungszeichen und Glücksmomente, die mir zeigen, dass es weitergeht, dass es besser werden kann, dass ich nicht alleine bin. Allerdings muss ich sie wahrnehmen; sie sehen.

 

Jesus redet auch im morgigen Evangelium in Gleichnissen! Wie sehr würde ich mir wünschen ER würde mal Klartext reden; als sichtbares Gegenüber auf Augenhöhe; deutlich und klar vernehmbar. Da wäre vielleicht manches einfacher – oder eben auch nicht. Aber ich könnte zumindest nachfragen und hätte klare „Anweisungen“, wie ein gutes Leben gelingen kann.

Doch er spricht in Gleichnissen: offen und doch verborgen; klar und doch undurchdringlich oder interpretationsbedürftig.

 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

Wenn ich den Vers aus dem Evangelium richtig deute, kommt es jetzt auf meine Augen und Ohren an, was ich daraus für mich mitnehmen kann: kann ich sehen und hören und verstehen – oder nicht?

Nehme ich nur das undeutliche, nicht fassbare, vielleicht sogar verletzende wahr oder auch den Sinn, die Gegenwart hinter dem Vordergründigen.

Ist der Regen – selbst, wenn er mir meinen Ausflug unmöglich macht – nicht ein Segen für unsere Wälder, Felder und Gärten? Ist der Stein, der mir in den Weg gelegt wird, nicht genau der, den ich gerade brauche, um in dieser Situation zu wachsen und zu reifen? Ist das ausbleibende aber von mir erwartete Lächeln eines Mitmenschen, dem es vielleicht nicht so gut geht der Grund selbst traurig zu werden oder könnte es nicht auch der Anfang eines guten Gespräches sein, aus dem möglicherweise beide erfüllter herausgehen?

 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

Vielleicht können wir diesen Vers des Evangeliums so übersetzen:

 

Deshalb wirke ich für viele so verborgen, weil sie mir begegnen, mich aber nicht erkennen, weil ich zu ihnen rufe, sie mich aber im Lärm des eigenen Lebens nicht heraushören.

 

Seinen Jüngern – also allen, die ihm folgen wollen - sagt Jesus allerdings:

Eure Augen aber sind selig,
weil sie sehen,
und eure Ohren, weil sie hören.

 

Diese Zusage gibt uns Jesus und diese Fähigkeit spricht er uns zu.

Ich wünsche mir, dass es mir / dass es uns immer besser gelingt und dass wir gemeinsam Sehende und Hörende werden und bleiben.

Sr. Franziska Bachmann


Alle sind eingeladen …

Jeweils am Montag – zu Beginn der Woche – nehmen wir Schwestern im Konvent Ulm-Wengen uns gemeinsam Zeit und befassen uns mit dem Evangelium des kommenden Sonntags. Wir lesen den Text, vertiefen in der Stille nochmals die Worte und tauschen uns dann darüber aus, was wir in die Woche hinein mitnehmen möchten, was uns angesprochen oder herausgefordert hat.

Am Sonntag hieß es im Matthäusevangelium: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Diese Einladung Jesu hat mich in den zurückliegenden Tagen begleitet. Sie ist einfach, direkt und gradlinig und mit einer Verheißung verbunden. Ich darf kommen – so wie ich bin.

Ich muss nichts bestimmtes geleistet oder großes vollbracht haben. Gott lädt mich ein, nicht nur wenn alles glatt läuft und mir leicht von der Hand geht, wenn ich voller Energie und Tatendrang bin. Er lädt mich müde und mit all dem, was mich beschäftigt ein, zu ihm zu kommen.

Und: Er sortiert nicht aus und stellt keine Bedingungen: ALLE sind eingeladen!

Allen verspricht Jesus: Bei mir könnt ihr Kraft holen, auftanken. Ich gebe euch Zuversicht und neuen Mut!

Nehmen wir diese Einladung an, sie gilt jedem und jeder von uns!

Elisa Kreutzer


Mein persönliches Fotoalbum

 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele Bilder wir Tag für Tag zu Gesicht bekommen?

Mir sind in letzter Zeit die vielen Gemälde in unserem Kloster aufgefallen, dazu persönliche Fotos an der Zimmerwand, an Unterführungen die Bilder verschiedener Graffitikünstler…

Dazu kommen – zumindest bei mir – viele Fotos auf der Festplatte und immer wieder neue, die ich selbst aufnehme oder die mir über die verschiedensten Kanäle zugeschickt werden.

Passenderweise kam mir ein Lied in den Sinn, in dem der Sänger Bilder in seinem Kopf bewahrt.

Damit meint er nicht die pure Menge an Dingen, die er gesehen hat, sondern solche Momente und Personen, die wirklich sein Inneres berührt haben.

Auch in mir steigt die Frage auf, welche Bilder ich in meinem Kopf oder Herzen bewahre.

Es sind Personen, die mich auf wichtigen Etappen meines Lebens begleitet haben, Erfahrungen, die mich zu der gemacht haben, die ich heute bin, Erlebnisse, die ich nie mehr vergessen möchte, …

Alles Momente und Situationen in denen das Leben auf die eine oder andere Weise pulsierte. Zeiten in denen Gott spürbar wurde oder in Menschen und Gesprächen sichtbar war.

Ich möchte Sie einladen auch einmal nachzuspüren, welche Bilder in ihrem Kopf zu Hause sind und ihr „geistiges Fotoalbum“ anzuschauen, neu anzulegen oder weiter zu gestalten.

Einen gesegneten Tag und viel Lebensfreude wünsche ich Ihnen!

 

Sr. Tobia Hartmann


Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.  (Mt 10,30)

 

Als ich diesen Satz im heutigen Sonntagsevangelium gelesen habe, kam mir ein spontanes Lächeln auf die Lippen.

Grund dazu gab mir die Erinnerung an eine – aus damaliger Sicht – sehr langweilige Schulstunde, als ich genau das probiert habe: Die einzelnen Haare meines langen Ponys zu zählen.

Natürlich bin ich damals grandios gescheitert, aber der Versuch ist mir in Erinnerung geblieben. Es erinnert mich daran, dass es Dinge gibt, die ich allein einfach nicht schaffen kann, egal wieviel Zeit und Mühe ich hineinstecke. Sicher kennen auch Sie solche Momente, in denen Sie nicht weiter kommen.

Aber ist es nicht gerade in solchen Momenten wunderbar zu wissen, dass wir nicht alleine sind und für unseren Gott nichts unmöglich ist?

Wir sind ihm wichtig, auch das steht im heutigen Evangelium. Genau genommen steht darin, dass der Herr sich um jeden Spatzen kümmert, wir aber noch viel mehr wert sind als viele dieser Vögel.

Wenn ich mir diese zwei Tatsachen – dass für ihn nichts unmöglich ist und dass er uns nicht im Stich lässt – durch den Kopf gehen lasse, fühle ich mich innerlich befreit. Ich merke, dass ich nicht alles können MUSS. Ich darf sein, wie ich bin, weil ER mich so gedacht und geschaffen hat.

Und auch dieser Gedanke zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder spüren können, dass Gott uns nicht allein lässt und selbst aus den verzwicktesten Situationen führen kann –

vielleicht lächeln Sie dann mit mir.

 

Sr. Tobia Hartmann

 


Franziskanerinnen von Reute

Klostergasse 6

88339 Bad Waldsee