Bevor Sie den heutigen Impuls lesen, möchte ich Sie bitten, sich zuerst das Lied „Einmal im Leben“ von Wincent Weiss anzuhören (z.B.:  https://www.youtube.com/watch?v=Q-jrGktVq2I).

Vielleicht ist es nicht Ihr Musikgeschmack, aber der Text ist einfach super. Dieses Lied traf mich das erste Mal, als ich ins Auto gestiegen bin, das Radio ansprang und es tönte:

 

„Du machst die Welt doch so viel bunter

Mit all den Farben, die du hast

Und warum ziehst du dich so runter?

Es sieht so schön aus, wenn du lachst“

 

Sofort war ich ganz da, hatte ich doch einen nicht ganz leichten Tag hinter mir.

Nach dieser Stelle kam noch zweimal der Refrain:

„Dich gibt's nur einmal im Leben

Lass dir nichts anderes erzählen

Und egal welcher Zweifel dich auch quält

Was du daraus machst, ist das, was zählt

Dich gibt's nur einmal im Leben

Versuch dein Bestes zu geben

Und ich will, dass du eins niemals vergisst

Du bist perfekt, so wie du bist (wie du bist)“

 

Mit diesen Zeilen endete das Lied und es tat mir einfach nur gut. Dieser Zufall, dass genau der Song in dem Moment lief, als ich den Motor startete, kam mir zu zufällig vor. Es fühlte sich eher so an, als sollte mich diese Botschaft treffen – genau zu dem Zeitpunkt an diesem Ort.

 

Diese Erfahrung und Zusage möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

Wir sind alles geliebte Menschen, die Gott in seiner je eigenen Einzigartigkeit geschaffen hat. Er hat uns nach seinem Plan geschaffen und mit seinen Gedanken und Ideen für uns ausgestattet.

Das macht jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns perfekt.

Denn: Wir sind nach seinem Ebenbild geschaffen und Gott macht keinen Murks, davon bin ich überzeugt.

Wenn Sie also das nächste Mal an sich selbst zweifeln oder scheinbar einfach alles schief geht, hören Sie sich dieses Lied an. Hören Sie es so, als ob Gott diesen Text nur für Sie geschrieben hätte.

Mir hilft das, mich daran zu erinnern, dass er uns in Würde geformt und zu einem Leben in Fülle berufen hat.

 

Und ja, es gibt schwere Zeiten im Leben. Aber die Frage ist immer: Was mache ich daraus? Stecke ich den Kopf in den Sand und gebe auf oder bitte ich meinen Gott um Hilfe, atme tief durch und mache mir bewusst, dass ich mit IHM an meiner Seite nur gewinnen kann, auch wenn es anders kommt

als erwartet? Es ist okay zu zweifeln und sich auch mal einfach nur an eine „starke Schulter“ anlehnen zu wollen. Aber ich möchte Sie ermutigen genau in solchen Moment auf den Satz zu hören: „Du bist perfekt, so wie du bist.“

 

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese Zusage Gottes an uns Menschen immer tiefer in Ihr Herz einbrennen können und dadurch immer tiefer mit Ihm verbunden leben können!

 

Sr. Tobia Hartmann


Alles hat seine Zeit

„Ich könnte mich direkt an Urlaub gewöhnen“, sagte ich frisch aus dem Urlaub kommend im Spaß zu meiner Mitschwester. Sie schmunzelte und meinte, „ach weißt du, dann könntest du es auch irgendwann nicht mehr genießen“.

Zack, da war er wieder: der Gedanke, der mich seit einiger Zeit herumtreibt und fasziniert: Eigentlich sind es doch gerade die Gegensätze, genauer gesagt das Zusammenspiel der Gegensätze, die das Leben bunt, interessant und abwechslungsreich machen. Was wäre, wenn wir nur Urlaub hätten, es nur Tag wäre oder nur Nacht, nur Sonne oder nur Regen gäbe, wenn wir nur in Bewegung wären usw.

 

Ich merke, ich brauche die gegensätzlichen Erfahrungen, sie helfen mir, mich auf etwas zu freuen, eben weil ich es nicht immer habe. Manchmal macht es mich auch einfach dankbar und hilft mir solidarisch zu leben, z.B. auch wenn ich mal krank bin, kaum Kraft habe, dann hilft es mir, in den gesunden, kraftvollen Zeiten mich besser in Menschen hinein zu versetzten, die eben diese Kraft nicht oder nicht mehr haben.

 

Es geht mir nicht darum, mich auf dem Mittelweg zu bewegen, das wäre auf Dauer, glaube ich, echt langweilig. Nein, ich will an diesen Gegensätzen lernen zu zulassen, zu vertrauen, los zu lassen, dankbar für den Moment und das Gute zu sein, den Augenblick wert zu schätzen.

Alles zu seiner Zeit …

 

Hier gefällt mir die Bibelstelle Kohelet 3 (gekürzte Version):

 

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:

eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben.

Eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen.

Eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen.

Eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden ...

 

Das alles hat ER schön gemacht zu seiner Zeit.

 

  Sr. Jakoba Gäbler


Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.

 

Vielleicht geht es jetzt Manchen jetzt wie mir, dass wir schnell den alten, gleichnamigen Kanon im Ohr haben und ihn nicht mehr loswerden. Aber was heißt es, wenn Jesus sagt, er ist mitten unter uns?

 

Was bedeutet Miteinander und Gemeinschaft überhaupt?

 

Immer wieder merke ich, dass es mir gut tut, wenn so etwas wie Gemeinschaft spürbar wird. Das ist oft in den kleinen Dinge des Alltags erlebbar: eine spontane Einladung auf eine Tasse Kaffee; eine kurze Pause mit Menschen, die mit mir in einer anstrengenden Arbeit stecken; ein Lächeln auf dem Flur im Vorbeigehen, eine Einladung zu einem Spaziergang oder die Erkundigung: „Wie geht es dir heute?“

Gemeinschaft zeigt sich für mich ganz oft in solchen kleinen Momenten des Alltags, die von einem ehrlichen Interesse und einer Verbundenheit zeugen. Es sind einfach schöne Momente, die das Leben lebens- und liebenswert machen.

 

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott tatsächlich in diesen Momenten mitten unter uns ist, wenn wir uns wohlfühlen, wir uns Gutes erweisen, wir ungezwungen füreinander da sind, uns zuhören und mit ehrlichem Interesse ein Stück Leben und Lebenszeit  miteinander teilen.

Gott liebt uns so sehr, dass er uns wünscht, dass wir „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Wenn wir uns diese Liebe weiterschenken und einander in Vertrauen, Ehrlichkeit und Freude begegnen, dann können wir Gott mitten unter uns begegnen und solche Momente können zum Segen für jeden einzelnen Tag werden.

Wir sind dann sogar fähig, uns etwas zu sagen, was uns im Miteinander schwer fällt oder wo wir die Verhaltensweise des / der Anderen nicht verstehen oder für falsch halten.

Solange der Wunsch nach Gemeinschaft dabei tragend und lebendig ist und dieser von Vertrauen, Ehrlichkeit und Freude geprägt ist, habe ich erlebt, dass wir auch mit der eigenen Rückfrage auf offene Ohren stoßen können. Dies ist allerdings nicht der Fall, wenn es nur um Machtfragen geht und dem Streiten um das Thema, wer letztlich Recht hat. Hiermit verbannen wir Gott aus unserer Mitte.

 

Die Grundvoraussetzungen für Segensmomente, in denen Gott mitten unter uns ist, sind also: Freiwilligkeit und der Wunsch nach aufrichtiger Gemeinschaft.

Doch selbst, wenn uns das nicht immer gelingt und wir Gott durch das Kreisen um eigene Interessen aus unserer Mitte ausschließen, bleibt ER doch immer in der Gemeinschaft mit uns, denn ER ist ein „Gemeinschaftswesen“ – ER ist Gemeinschaft – wäre ER sonst Vater, Sohn und Geist?

 

 

Wie schön wäre es doch, wir würden uns mit hineinnehmen lassen in die „Vierfaltigkeit“ des Liebens!

 

Sr. Franziska Bachmann


Lobet und preiset den Herrn in Dankbarkeit…

 

Vor nun einer Woche kam ich zurück von der Klosterwoche in Gschnon in Südtirol. Zusammen mit 10 jungen Erwachsenen und einem Mitbruder von den Kapuzinern erlebten wir eine besondere Woche auf fast 1000 Höhe in einem kleinen rustikalen Klösterchen.

Immer wieder ist mir dort der Sonnengesang des Heiligen Franziskus durch den Kopf gegangen.

Sei es bei einem atemberaubenden Ausblick auf imposante Berge die vielen Apfelplantagen und Weinberge, aber auch direkt im Klostergarten auf das angepflanzte Gemüse und die Blumen.  

Herr, sei gelobt durch Mutter Erde, die uns ernährt,

erhält und Früchte trägt.

Die auch geschmückt durch Blumen und Gesträuch.

Oder nach schweißtreibender Arbeit die Arme am Gartenschlauch mit kühlen Wasser abzuspritzen oder das erfrischende Quellwasser bei einer Wanderung.

                Herr, sei gelobt durch Schwester Wasser, sie ist gar nützlich demutsvoll und keusch.

                Sie löscht den Durst, wenn wir ermüdet sind.

Aber auch der faszinierenden Sternhimmel mit seinen unzähligen Sternen, die sichtbar waren durch die weite Entfernung der Straßenlaternen.

                Herr, sei gelobt durch Schwester Mond und durch die Sterne, die du gebildet hast.

                Sie sind so hell, so kostbar und so schön.

Oder das Feuer im Holzofen, das für ein leckeres Essen gesorgt hat, oder die Wärme am letzten Abend beim Lagerfeuer.

Herr, sei gelobt, durch Bruder Feuer, der uns erleuchtet die Dunkelheit und Nacht.

Er ist so schön, gar kraftvoll und auch stark.

Höchster allmächtiger und guter Herr, dein sind der Lobpreis die Herrlichkeit und Ehr.

  

 

Text: Sonnengesang: Franz von Assisi. Übertragung: Johannes Lehrner. 


Du aber, für wen hältst du mich?

 

Vor einem Jahr hat ein ehemaliger Nachhilfeschüler von mir seinen Realschulabschluss gemacht.

Ich war ziemlich überrascht, als das Telefon klingelte und er dran war, immerhin lagen unsere Lernzeiten schon einige Jahre zurück und seit ich ins Kloster ging habe ich auch weder ihn noch sonst jemanden aus seiner Familie gesehen.

Er hatte im Fach Religion die Aufgabe, eine Person zu ihrem Glauben zu interviewen und das in einem Aufsatz zusammenzuschreiben und wollte dafür gerne mit mir sprechen. Da ich die Idee irgendwie cool und seinen Anruf bei mir auch mutig fand, haben wir gleich los gelegt und die Fragerunde gestartet.

 

Vielleicht wundern Sie sich gerade, warum ich das alles erzähle.

Der Grund ist, dass eine Frage von ihm sehr gut auf unser heutiges Evangelium passt:

Hältst du Jesus für einen Superstar? Also kann man ihn mit den Stars von heute (Sänger*innen, Fußballgötter, YouTuber,…) vergleichen?

Für mich kratzt diese Frage an dem, was auch Jesus im Evangelium seine Jünger fragt:

„Für wen halten mich die Menschen? Und noch viel wichtiger: Für wen haltet ihr mich?“

Für mich hinkt der Vergleich meines ehemaligen Nachhilfeschülers etwas. Jesus ist mehr als ein Superstar. Denn selbst wenn deren Ruhm über Jahre hinweg dauert, so vergehen sie und ihre Taten irgendwann. Jemand anderes verkauft mehr Platten, schießt mehr Tore, verdient mehr Geld oder bekommt mehr Likes.

Das kann Jesus nicht passieren. Er und seine Botschaft sind ewig.

Für mich ist er der Sohn Gottes, ein Teil der Dreifaltigkeit, der uns so sehr liebt, dass er extra auf die Erde kam in ein Leben und ein Umfeld, das auch wir verstehen können.

Wie viele Stars begeben sich auf das Level ihrer „Normalo-Fans“? So viel Größe kann sich nur der Größte leisten. Und diese Tat vergeht nicht.

 

Wenn ich ehrlich bin, kann ich die Frage, für wen ich Jesus halte, nicht so einfach komplett und abschließend beantworten, da er so vieles ist: Wegbegleiter, Licht in der Nacht, Meister,  Kumpel, Vorbild, Erlöser, …

Nur bei einem bin ich mir zu 100% sicher: Er ist mehr, als ich mir jemals vorstellen kann.

Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal mit dieser Frage beschäftigt oder sind jetzt neu angetriggert, sich darüber Gedanken zu machen.

Dabei wünsche ich Ihnen gute Gedanken und ein intensives Spüren wenn Jesus Sie fragt:

 

„Und du, für wen hältst du mich?“

 

 

Sr. Tobia Hartmann


Mut tut gut

Ich würde mich jetzt nicht unbedingt als große Verehrerin von Heiligen bezeichnen, aber manche beeindrucken mich wirklich. Durch das, wie sie gelebt haben, berühren sie mich und bringen mich zum Nachdenken.

Dazu gehören auch die Heiligen der letzten Woche, wie z.B. der Diakon Laurentius, welcher als Verwalter des Kirchengeldes alles den Armen verschenkte, als der Kaiser die Kirchenschätze für sich beanspruchte. Laurentius stellte diesem dafür die Bedürftigen mit den Worten vor: "das sind die wahren Schätze der Kirche". Der Kaiser fand das nicht so lustig und ließ ihn foltern, indem er ihn auf einen Rost grillte, worauf Laurentius ihm nach einer Weile sagte, dass er ihn umdrehen könne, er sei auf der einen Seite schon genug gebraten.

Auch eine Heilige Klara von Assisi, die sich unter heftigsten Auseinandersetzungen von ihrer Familie losgelöst hat um ein Leben der Nachfolge Jesu zu leben und auch nicht davor zurückschreckte mit dem Papst zu Streiten, als Frauengemeinschaft arm leben zu dürfen („Privileg der Armut“) - ein Ding der Unmöglichkeit zu diesen Zeiten.

Und dann der Franziskaner Maximilian Kolbe, der sich nicht scheute, sich gegen das Naziregime zu stellen, daraufhin in Auschwitz interniert wurde und für einen Familienvater in den Hungerbunker ging und dort auch starb.

Mich berührt der Mut allein dieser drei Heiligen oder vielleicht muss ich eher sagen dieses Vertrauen in ein „Mehr“ – für andere, für Gott, für etwas, das ihnen wichtig ist einzustehen und ich frage mich: wofür würde ich einstehen, was ist mir so wichtig, dass ich bereit wäre aus dem allgemeinen Sozialleben ausgeschlossen zu werden, meine Gesundheit dafür zu riskieren, ja vielleicht sogar mein Leben. Und wahrscheinlich muss ich nicht mal so weit gehen, denn mehr oder weniger sind auch wir damit im „Kleinen“ schon in unserem Alltag konfrontiert: im Beruf, der Ausbildung, dem Studium, dem Sportverein, der Familie … kann es darum gehen sich zu positionieren und für jemanden oder etwas einzustehen, wie z.B. Menschen, die ausgeschlossen werden, Meinungen, die nicht unbedingt von der Masse vertreten werden, seinen Glauben, … auch für sich selbst.

Mir tut es da gut, diese Vorbilder zu haben, die mit Mut und Vertrauen zu dem gestanden sind, was ihnen wichtig war. Ihr Mut, tut auch mir heute – teilweise 1800 Jahre  später – gut.

Mit ihrem Leben fragen sie mich an:

  • was ist mir wirklich wichtig,
  • was sind meine Werte
  • wie will ich leben und
  • was bin ich bereit dafür zu geben?

Und gleichzeitig zeigen sie mir ein Vertrauen auf, das alle weltlichen Grenzen überschreitet: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi. (Röm 8, 38-39)

 

Ich wünsche Ihnen Mitmenschen, die  Sie mit ihrem Leben auf eine gute Art und Weise herausfordern und den Mut, selbst zu so einem zu werden.

                                         

Sr. Jakoba Gäbler


„Du kannst über’s Wasser geh’n und die Hand ergreifen, die sich dir entgegenstreckt.“

 

Diese Liedzeile ist mir sofort durch den Kopf geschossen, als ich das Evangelium zu diesem Sonntag gelesen habe (Mt 14,22-33).

Es beeindruckt mich einfach immer wieder aufs Neue, dass mit Jesu Hilfe nichts unmöglich ist. Sogar auf dem Wasser laufen funktioniert mit ihm.

Petrus bekommt erst Schwierigkeiten, als er sich fürchtet; sprich: sein Vertrauen schwindet.

Und das ist doch eine zutiefst menschliche Erfahrung, die sicher jede und jeder von uns schon einmal gemacht hat: da bemerke ich, dass mir eine Sache gefährlich wird, ich nicht mehr Herr der Lage bin oder es einfach eine Nummer zu groß für mich ist. Ich spüre, dass ich mir nicht mehr selbst helfen, mich nicht selbst retten kann. Aber auch dann zögert Jesus nicht. Kaum ruft sein Jünger nach ihm, streckt er seine Hand aus und rettet ihn.

Diese Schriftstelle ist für mich Anleitung und Ermutigung zugleich. Sie zeigt mir, dass Jesus für mich da ist und mir in jeder (Not-)Lage hilft.

Ist das nicht auch sehr befreiend? Weil der Herr bei mir ist, muss ich nicht alles alleine machen. Ich darf mich darauf verlassen, dass ER mir die Hand entgegenstreckt. Und mit dem nötigen Vertrauen geht es weiter – mit IHM an meiner Seite, so wie Petrus sicher mit ihm zum Boot gelangte.

 

Egal ob Ihr Leben gerade in ruhigen Bahnen verläuft oder durch aufgebrachte Wellen wogt, wünsche ich Ihnen, dass Sie die ausgestreckte Hand unseres Gottes wahrnehmen und ergreifen können.

Ergreifen sie die Hand, die sich Ihnen entgegenstreckt, es lohnt sich.

 

Sr. Tobia Hartmann 


Maria Magdalena

Am vergangenen Mittwoch (22.Juli) haben wir das Fest der hl. Maria Magdalena gefeiert, dabei bin ich zufällig auf einen Text gestoßen, den ich im April 2016 zu Maria Magdalena in meinem Exerzitienbüchlein aufgeschrieben habe.

„Maria Magdalena am leeren Grab:

Nacht, Nacht der Erinnerung

Es war einmal – und jetzt

Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit

Aufbruch zurück, wehmütig

Schmerzende Erinnerung

Entsetzen – alles ist anders

als erwartet – Nichts ist…

Die Nacht weicht dem

strahlenden Aufgang des Tages

Hoffnung – Ahnung – Erinnerung

Aufbruch zum Auftrag

Verkündigung!“

 

Ich habe gedacht, das passt ganz gut in die momentane Zeit. Ostern ist bereits viele Wochen her und manchmal braucht es eine Erinnerung, um dann selbst wieder neu gestärkt den eigenen Aufbruch zum eigenen Auftrag zu wagen und die Botschaft vom Himmelreich in unsere Welt zu tragen, wie es ja in den letzten Sonntagsevangelien und auch an diesem Sonntag wieder Thema war und ist.

Mit dem Himmelreich ist es…

 

Sr. M. Johanna Gräter


So wie am letzten Sonntag, so geht es auch an diesem wieder um den Samen und die Arbeit auf dem Feld.

Hier in Reute müssen wir nicht weit gehen, um zu beobachten was so alles in einem Jahr auf einem Feld alles passiert. Auch unter uns Schwestern gibt so manche Hobbygärtnerinnen, die im Frühjahr anfangen die Pflänzchen zu ziehen für so manches Gemüse. Wenn dann so das erste zarte Grün zum Vorschein kommt, ist dann auch hin und wieder die Frage, ist das jetzt schon zum Beispiel das ersehnte Tomatenpflänzchen, oder doch was anderes, was sich da hineingemogelt hat in die Erde? Mit der Zeit wird es dann zum Glück ersichtlich, ob es das erwünschte Gewächs oder ein Beikraut ist.

Mich fasziniert jedes Jahr aufs Neue, wie in so einem kleinen Samenkorn alles angelegt ist, sei es die Form, Farbe oder der Geschmack.

Wenn Sie also das nächste Mal an einem Feld vorbei kommen, dann laufen Sie nicht vorbei, sondern bleiben Sie stehen, und lassen es auf sich wirken mit allen Pflanzen die auf ihm wachsen. Und vielleicht kommt dann auch das Staunen über die Schöpfung in Ihnen neu zum Vorschein.

 

Sr. Clara Dellbrügge

 


 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

 

 

Ganz häufig werde ich gefragt: „Warum tut denn Gott da nichts?“ „Warum schweigt er?“ „Wo ist er denn?“

 

Diese Frage beschäftigt auch mich, wenn ich an die verschiedenen Krisen und Problemthemen dieser Welt und Kirche denke. Nicht selten muss ich zugeben, dass ich keine Antwort habe.  Gleichzeitig, wenn ich mir erlaube einen Moment inne zu halten, wird mir doch immer wieder deutlich, dass nicht alles in dieser Welt, in dieser Kirche, in meinem Leben nur schlecht ist. Es gibt doch immer wieder kleine Hoffnungszeichen und Glücksmomente, die mir zeigen, dass es weitergeht, dass es besser werden kann, dass ich nicht alleine bin. Allerdings muss ich sie wahrnehmen; sie sehen.

 

Jesus redet auch im morgigen Evangelium in Gleichnissen! Wie sehr würde ich mir wünschen ER würde mal Klartext reden; als sichtbares Gegenüber auf Augenhöhe; deutlich und klar vernehmbar. Da wäre vielleicht manches einfacher – oder eben auch nicht. Aber ich könnte zumindest nachfragen und hätte klare „Anweisungen“, wie ein gutes Leben gelingen kann.

Doch er spricht in Gleichnissen: offen und doch verborgen; klar und doch undurchdringlich oder interpretationsbedürftig.

 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

Wenn ich den Vers aus dem Evangelium richtig deute, kommt es jetzt auf meine Augen und Ohren an, was ich daraus für mich mitnehmen kann: kann ich sehen und hören und verstehen – oder nicht?

Nehme ich nur das undeutliche, nicht fassbare, vielleicht sogar verletzende wahr oder auch den Sinn, die Gegenwart hinter dem Vordergründigen.

Ist der Regen – selbst, wenn er mir meinen Ausflug unmöglich macht – nicht ein Segen für unsere Wälder, Felder und Gärten? Ist der Stein, der mir in den Weg gelegt wird, nicht genau der, den ich gerade brauche, um in dieser Situation zu wachsen und zu reifen? Ist das ausbleibende aber von mir erwartete Lächeln eines Mitmenschen, dem es vielleicht nicht so gut geht der Grund selbst traurig zu werden oder könnte es nicht auch der Anfang eines guten Gespräches sein, aus dem möglicherweise beide erfüllter herausgehen?

 

Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen
und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

 

Vielleicht können wir diesen Vers des Evangeliums so übersetzen:

 

Deshalb wirke ich für viele so verborgen, weil sie mir begegnen, mich aber nicht erkennen, weil ich zu ihnen rufe, sie mich aber im Lärm des eigenen Lebens nicht heraushören.

 

Seinen Jüngern – also allen, die ihm folgen wollen - sagt Jesus allerdings:

Eure Augen aber sind selig,
weil sie sehen,
und eure Ohren, weil sie hören.

 

Diese Zusage gibt uns Jesus und diese Fähigkeit spricht er uns zu.

Ich wünsche mir, dass es mir / dass es uns immer besser gelingt und dass wir gemeinsam Sehende und Hörende werden und bleiben.

Sr. Franziska Bachmann


Alle sind eingeladen …

Jeweils am Montag – zu Beginn der Woche – nehmen wir Schwestern im Konvent Ulm-Wengen uns gemeinsam Zeit und befassen uns mit dem Evangelium des kommenden Sonntags. Wir lesen den Text, vertiefen in der Stille nochmals die Worte und tauschen uns dann darüber aus, was wir in die Woche hinein mitnehmen möchten, was uns angesprochen oder herausgefordert hat.

Am Sonntag hieß es im Matthäusevangelium: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Diese Einladung Jesu hat mich in den zurückliegenden Tagen begleitet. Sie ist einfach, direkt und gradlinig und mit einer Verheißung verbunden. Ich darf kommen – so wie ich bin.

Ich muss nichts bestimmtes geleistet oder großes vollbracht haben. Gott lädt mich ein, nicht nur wenn alles glatt läuft und mir leicht von der Hand geht, wenn ich voller Energie und Tatendrang bin. Er lädt mich müde und mit all dem, was mich beschäftigt ein, zu ihm zu kommen.

Und: Er sortiert nicht aus und stellt keine Bedingungen: ALLE sind eingeladen!

Allen verspricht Jesus: Bei mir könnt ihr Kraft holen, auftanken. Ich gebe euch Zuversicht und neuen Mut!

Nehmen wir diese Einladung an, sie gilt jedem und jeder von uns!

Elisa Kreutzer


Mein persönliches Fotoalbum

 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele Bilder wir Tag für Tag zu Gesicht bekommen?

Mir sind in letzter Zeit die vielen Gemälde in unserem Kloster aufgefallen, dazu persönliche Fotos an der Zimmerwand, an Unterführungen die Bilder verschiedener Graffitikünstler…

Dazu kommen – zumindest bei mir – viele Fotos auf der Festplatte und immer wieder neue, die ich selbst aufnehme oder die mir über die verschiedensten Kanäle zugeschickt werden.

Passenderweise kam mir ein Lied in den Sinn, in dem der Sänger Bilder in seinem Kopf bewahrt.

Damit meint er nicht die pure Menge an Dingen, die er gesehen hat, sondern solche Momente und Personen, die wirklich sein Inneres berührt haben.

Auch in mir steigt die Frage auf, welche Bilder ich in meinem Kopf oder Herzen bewahre.

Es sind Personen, die mich auf wichtigen Etappen meines Lebens begleitet haben, Erfahrungen, die mich zu der gemacht haben, die ich heute bin, Erlebnisse, die ich nie mehr vergessen möchte, …

Alles Momente und Situationen in denen das Leben auf die eine oder andere Weise pulsierte. Zeiten in denen Gott spürbar wurde oder in Menschen und Gesprächen sichtbar war.

Ich möchte Sie einladen auch einmal nachzuspüren, welche Bilder in ihrem Kopf zu Hause sind und ihr „geistiges Fotoalbum“ anzuschauen, neu anzulegen oder weiter zu gestalten.

Einen gesegneten Tag und viel Lebensfreude wünsche ich Ihnen!

 

Sr. Tobia Hartmann


Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.  (Mt 10,30)

 

Als ich diesen Satz im heutigen Sonntagsevangelium gelesen habe, kam mir ein spontanes Lächeln auf die Lippen.

Grund dazu gab mir die Erinnerung an eine – aus damaliger Sicht – sehr langweilige Schulstunde, als ich genau das probiert habe: Die einzelnen Haare meines langen Ponys zu zählen.

Natürlich bin ich damals grandios gescheitert, aber der Versuch ist mir in Erinnerung geblieben. Es erinnert mich daran, dass es Dinge gibt, die ich allein einfach nicht schaffen kann, egal wieviel Zeit und Mühe ich hineinstecke. Sicher kennen auch Sie solche Momente, in denen Sie nicht weiter kommen.

Aber ist es nicht gerade in solchen Momenten wunderbar zu wissen, dass wir nicht alleine sind und für unseren Gott nichts unmöglich ist?

Wir sind ihm wichtig, auch das steht im heutigen Evangelium. Genau genommen steht darin, dass der Herr sich um jeden Spatzen kümmert, wir aber noch viel mehr wert sind als viele dieser Vögel.

Wenn ich mir diese zwei Tatsachen – dass für ihn nichts unmöglich ist und dass er uns nicht im Stich lässt – durch den Kopf gehen lasse, fühle ich mich innerlich befreit. Ich merke, dass ich nicht alles können MUSS. Ich darf sein, wie ich bin, weil ER mich so gedacht und geschaffen hat.

Und auch dieser Gedanke zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder spüren können, dass Gott uns nicht allein lässt und selbst aus den verzwicktesten Situationen führen kann –

vielleicht lächeln Sie dann mit mir.

 

Sr. Tobia Hartmann

 


Franziskanerinnen von Reute

Klostergasse 6

88339 Bad Waldsee